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Mann für die langen Distanzen
Mann für die langen Distanzen

Brian Parrish mit mehr als ausgiebiger Werkschau in der Music Hall

VON LARS FISCHER

Worpswede. Der Kurzstrecken-Sprint ist nicht die Sache von Brian Parrish. »Long distance man« heißt einer der älteren seiner Songs, den er bei seinem Auftritt in der Music Hall spielt. Über lange Distanzen geht Parrish im Ganzen wie im Detail. Seit über 50 Jahren steht er auf der Bühne und seine Konzerte erreichen noch immer die Drei-Stunden-Marke. Nach über 100 Minuten, wenn andere Musiker längst nach den Zugaben zum Feierabend-Getränk im Backstage-Bereich verschwunden sind, legt der 62-Jährige eine kurze Pause ein. Danach gibt es noch eine weitere Konzertstunde.

Auch von technischen Schwierigkeiten lässt sich der musikalische Marathon-Läufer nicht stoppen. Als die Bassgitarre den Dienst versagt und sich Bassist Thomas Densing per Notizzettel für zehn Minuten verabschiedet - er holt in dieser Zeit ein Ersatzinstrument von einem ortsansässigen Bekannten - improvisiert Parrish und spielt einige Akustik-Songs. Abgesehen von dieser Panne ist seine »Traveller«-Show stimmig konzipiert. Mit zwei großen Koffern betritt der 62-Jährige die Bühne, einen für sein Liederbuch, der andere, größere für die Träume ohne die es nicht ginge, wie er in charmantem »Denglisch« erklärt. Solo beginnt er seine Reise durch sein von der Musik geprägtes Leben. Nach und nach holt er seine beiden Backgroundsängerinnen, das Begleitquartett und zum Schluss des Abends einen achtköpfigen Chor mit auf die Bühne.

Das Programm speist sich vor allem aus Songs seiner letzten Solo-CD »Endgame« und noch unveröffentlichten, die in diesem Jahr auf dem Nachfolge-Album »Traveller« erscheinen soll. Dazwischen streut der Engländer, der in Worpswede lebt, Coverversionen aus den Frühtagen der Rock- und Bluesmusik ein. Klassiker wie Willie Dixons »Little Red Rooster«, »Johnny B. Goode« oder »Sweet Home Chicago« zeigen, wo seine Wurzeln liegen. Bei seinen eigenen Kompositionen lässt er frühere Bands wie die Beatlegende The Londoners, mit der er in den 60er Jahren erste Erfolge sammelte, oder das Progrock-Projekt Badger außen vor. Hier konzentriert er sich auf den anscheinend dauernd sprudelnden Output der jüngeren Vergangenheit.

Diese Stücke offenbaren nicht nur seine herausragenden Fähigkeiten als Songwriter, Gitarrist und Sänger, sie zeugen auch von einer großen stilistischen Vielseitigkeit. An erster Stelle Blues, aber auch Rock, Balladen, Pop und gar Salsa bringen sie unter einen Hut. Mit seiner Band hat Parrish dabei eine gut eingespielte Einheit im Rücken, die ihm alle Freiheiten gibt. Die nutzt er mehr als reichlich aus und das bleibt das einzige Manko an diesem ansonsten überzeugenden Auftritt: Ein strafferer Ablauf hätte dem dann doch arg langen Konzertabend mehr Spannung verliehen. Aber auch unter Brian Parrishs zahlreichen Fans in Worpswede finden sich mehr als genug, die bis zum späten Ende bleiben und denen es so geht wie dem Musiker: Sie können nicht genug bekommen, zu viel schon gar nicht!

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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors Lars Fischer. Artikel erschienen in Wümme-Zeitung/Weser-Kurier vom 26.1.2010

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